Bremen Galerie im Park Phantastische Welten. Vom Surrealismus zum Neosymbolismus (1936 – 2008)

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(4. August bis 3. November 2013).

André Breton, der Gründer des Surrealismus, beschwor 1924 die « Allmacht des Traumes » und die Freisetzung des Unterbewusstseins als wegweisend für eine neue Kunst. Die Ausstellung mit Werken aus der Sammlung Axel Hinrich Murken zeigt, dass Künstler dreier Generationen sich seitdem immer wieder mit dem Imaginären und Surrealen beschäftigen und mit traumhaften Bildwelten an tiefer liegende Bewusstseinsschichten des Menschen appellieren.

 

 

Irreale Bildräume, fragmentierte Körper, aberwitzige Visionen von fliegenden Tieren und halb menschlichen Mischwesen beherrschen die phantastische Malerei des 20. Jahrhunderts und damit auch die Bildwelt der in der Ausstellung zusammengeführten neun Maler. In unterschiedlichen stilistischen Ausprägungen – altmeisterlich oder expressiv, neusachlich oder poppig – wecken die Bilder von Künstlern wie Roland Delcol, Georges Spiro oder Uwe Lausen die Sehnsüchte und Träume des Betrachters und verführen ihn in phantastische Welten jenseits des Alltags.
„Der Surrealismus beruht auf dem Glauben an die höhere Wirklichkeit gewisser, bis dahin vernachlässigter Assoziationsformen …“. So wird André Breton, der Schöpfer des Ersten Manifests des Surrealismus im Begleitbuch zur Ausstellung zitiert. Doch nicht Werke von Salvatore Dalí, Max Ernst, Paul Delvaux, Giorgio de Chirico, René Magritte oder Yves Tanguy – alle weltweit angesehene und bekannte Vertreter des Surrealismus – präsentiert man im „Nizza am Main“, sondern wie der Ausstellungstitel verrät, drei Malergenerationen des 20. Jahrhunderts, zu der die oben genannten Künstler eigentlich auch zählen. Doch auf deren Präsentation hat man verzichtet. Statt dessen begegnen die Ausstellungsbesucher Arbeiten von Edgar Ende, dem Vater des Erfolgsautors Michael Ende („Momo“), Roland Delcol aus Brüssel und Georges Spiro, der Schüler bei Oskar Kokoschka war, während der NS-Zeit in Frankreich der Résistance angehörte und in Nizza eine neue Heimat fand.

Gezeigt werden aber auch Schöpfungen von Christine Weber, die Fanstatisches im Nachgang von Pop Art und Hyperrealismus schafft, und Karl Heidelbach, den das auch durch die Psychoanalyse geprägte Menschenbild des 20. Jahrhunderts faszinierte. Ähnlich wie bei Delcol taucht in Heidelbachs Werken der Frauenakt als Motiv auf, wenn auch bei Heidelbach in fragmentierter Form wie in „Weiblicher Torso“ (1964): Zu sehen ist ein aufgestelzter, horizontal platzierter Torso mit heruntergestreifter Unterhose. Beinahe altmeisterlich kommt Edi Brancolini daher. Aufgewachsen unweit der Zentren Gezeigt werden aber auch Schöpfungen von Christine Weber, die Fanstatisches im Nachgang von Pop Art und Hyperrealismus schafft, und Karl Heidelbach, den das auch durch die Psychoanalyse geprägte Menschenbild des 20. Jahrhunderts faszinierte. Ähnlich wie bei Delcol taucht in Heidelbachs Werken der Frauenakt als Motiv auf, wenn auch bei Heidelbach in fragmentierter Form wie in „Weiblicher Torso“ (1964): Zu sehen ist ein aufgestelzter, horizontal platzierter Torso mit heruntergestreifter Unterhose. Beinahe altmeisterlich kommt Edi Brancolini daher. Aufgewachsen unweit der Zentren schafft, und Karl Heidelbach, den das auch durch die Psychoanalyse geprägte Menschenbild des 20. Jahrhunderts faszinierte. Ähnlich wie bei Delcol taucht in Heidelbachs Werken der Frauenakt als Motiv auf, wenn auch bei Heidelbach in fragmentierter Form wie in „Weiblicher Torso“ (1964): Zu sehen ist ein aufgestelzter, horizontal platzierter Torso mit heruntergestreifter Unterhose.

Magrittes Erbe?

Delcol spielt in seinen Arbeiten mit Zitaten aus der Kunstgeschichte, bedient sich aber auch der Malweise und Motive der Pop Art. Skulptierte Traumwelten ähnlich wie Tanguy oder zerlaufende Uhren und flammende Giraffen wie Dalí zeigt uns Delcol nicht. In seinen meist unbetitelten Arbeiten – alle führen allerdings einen „Untertitel“ – konfrontiert er uns mit fotorealistisch gemalten weiblichen Akten. Vollbusige Damen, die durchaus aus der Welt des „Playboy“ stammen könnten, beherrschen seine Kompositionen und begeben sich teilweise in einen stummen Dialog mit anderen Figuren, die aus der Kunstgeschichte entlehnt sind. Selbstbewusst erscheinen die nackten Damen, nicht schamhaft und auch nicht lasziv, aber durch und durch barock-weiblich. Eva und Madonna zugleich sind sie, und manch ein Mann träumt von ihnen, so auch in der Arbeit „The body of his mind“: Gezeigt wird eine Szene am Frühstückstisch, in der ein Kerl in rotem Pullover und blauer Hose einem Vollweib mit langen brünetten Haaren gegenübersitzt. Er scheint sie zu begehren – zumindest aber davon zu träumen, mit der Dame ein intimes Stelldichein zu erleben. Doch sie scheint unerreichbar zu bleiben – trotz der Nähe des „Paares“.

Delcol vereint in „Nobis intimissimus“ ein puppenhaftes Wesen,  das der Hand des Malers Giorgio de Chirico entstammt, mit  einem sitzenden Rückenakt. Die Szenerie platzierte er in eine  fast leere nächtliche Landschaft, in der man am Horizont einen  riesigen phallischen Turm und einige Häuser erblickt, die mit  ihren roten Dächern und weißen Fassaden am Nachthimmel  auftauchen. Breitbeinig liegt die Frau auf bunten Stoffen. Eine  andere stehende Frau in blauem Kleid und entblößter Brust, hat  die Decke beiseite geschoben, die die Nackte verhüllt hat. Am  Bildrand erscheint sogar eine Comicfigur, ein Hase mit blonder  Tolle und Schlappohren. So collagiert der Künstler ein  Gesamtbild, das im Kern auf Jean Fouquets „Jungfrau Maria mit  Kind umgeben von Engeln“ zurückgeht. Allerdings hat Delcol das  Kind ebenso aus seiner Komposition verbannt, wie er auch die  Figur der Maria seitenverkehrt ins Bild gesetzt hat. Im Original ist die linke Brust der Jungfrau Maria entblößt, da dort auch das zu stillende Kind sitzt. Bei Delcol hingegen ist die rechte Brust freigelegt. Doch warum?

 

 

Wie man mit Manets „Frühstück“ verfahren kann, zeigt eine weitere Arbeit des Künstlers. Neben dem jungen Mann mit schwarzer Jacke und Strohhut hat sich eine nackte Dame eingefunden, die sich aus dem Moment der Überraschung heraus, die Hand vor den Mund legt. Fühlt sie sich ertappt? Ist ihr die Szene peinlich? Es scheint so, denn im Hintergrund sieht man in einem Spiegel an der Wand die Spiegelung eines Fotografen, der die Kamera gezückt hat und die Dame wohl ablichtet. Auch Rembrandt muss bei Delcol für fantastische Begegnungen herhalten: Aus dem Gemälde „Die Anatomie des Dr. Tulip“ entlieh sich der belgische Künstler drei Ärzte und schuf seine eigene zu sezierende „Leiche“ – und die ist natürlich weiblich und nackt. Schließlich vereinte er auch den in der Wanne sitzenden sterbenden Marat mit einer nackten jungen Dame, die interessiert auf Marat hinabblickt, der noch seine letzten Zeilen in der Hand hält. Übrigens, auch Vermeer entging der Bildcollage von Delcol ebenso wenig wie Picasso, Popeye oder da Vinci, dessen Mona Lisa Delcol einfach mit einem sitzenden Halbakt verband.

Kunst des Fleisches

S chon die Untertitel von Uwe Lausens Arbeiten verraten, was man zu sehen bekommt: „Fleischerlandschaft“, „Auge, Ohr, Landschaft“ oder „Der weinende General“. Bei den erst genannten Arbeiten glaubt man, man schaue sich ein Anatomiebuch an und betrachte dabei Schnitte durch den menschlichen Körper – für viele Betrachter sicherlich eher abstoßend. Beim Ölgemälde „Der weinende General“ hingegen fühlt sich der Betrachter an die hohe Kunst der Pop Art erinnert: Auf einem blau-roten Schachbrettmuster erblickt man eine Figur, einen SS-Mann vielleicht, der aus der erhobenen Waffe blaue Blasen abfeuert, die den weinenden General treffen, der allerdings keine Pickelhaube, sondern einen Zylinder auf dem Kopf trägt.

 

Science-fiction oder was?

Georges Spiro schwelgt in surrealen Landschaften, in denen  skulptierte Gebilde – man denke an die Arbeit „Le Diable Rouge“ –  oder aber ein schwebender Frauenkopf umgeben von den Tieren  der Arche – siehe „Elles aime bêtes“ – erscheinen. Nilpferd, Löwe,  Gorilla, Giraffe, Elefant und roter Panda finden sich als „wilde  Kreaturen“ in einer Wüstenei aus bizarren Felsen zum Stelldichein  ein, in der nur abgestorbene Baumreste überdauert haben,  während über der Landschaft ein mit Blattwerk und Tieren              geschmückter Frauenkopf gen Himmel aufsteigt. Schließlich soll noch auf Edgar Endes Schaffenswerk eingegangen werden, das hier und da an Arbeiten Dalis und Tanguys erinnert, insbesondere wenn er eine Szenerie mit skulptierer Landschaft entwirft, in dem ein Pferd einen Rettungsring in den Vorderläufen hält, während es mit wehender Mähne aufrecht hinter einem Fels sitzt. Wie aus einem Modellbaukasten entsprungen erscheint der Stadtraum in „Hinter der Mauer“, hinter der zwei Engelsfiguren auf zwei von Kopf bis Fuß verhüllte Figuren stoßen. Ähnlich bizarr sind auch andere fantastischen Welten Endes wie in „Der verödete Laden“. Eine über einen Block zerfließende Frauenfigur – man denke an Dalis zerrinnende Uhren – findet sich in der Gouache Endes mit dem Titel „Müdigkeit“. Fürwahr in Aschaffenburg erlebt man bizarre Welten in einem einst sakralen Umfeld – und das ist eine Herausforderung für jeden Besucher. © fdp

 

 

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